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Veränderung

Du holde
gute
mildtätige
Veränderung
hab Einsicht
komm
erst
morgen!

Zeit
Die Zeit ist der unsichtbare Abschnitt am Lineal der Zeitmessung.

Liebe
Er is auf der Suche noch dem Gfühl dos i hob.
I bin auf der Suche noch der Schole wo's guat einipasst

Schlafleiberl
So fein zu tragen. Das Loch an der linken Achselhöhle und das vertraute Blau mit Tiger und Bären. Sehr kurz und freundlich.

Er
Da kommt er daher, er
und ich, ich
bin inspiriert.
wie schön
das ist!
wie in vielen
Wiederholungen
schön.

Tränenmeer
Ich habe es eilig wie immer. Ein Termin hetzt den nächsten. Die Straßenbahn steht. In 2 Minuten wird sie abfahren. Sie ist nahezu leer. Das ist angenehm in diesen überfüllten Öffi-Zeiten. Ich setze mich ans Fenster. Schräg rechts gegenüber, auf dem Sitz für Blinde, Schwangere und Alte sitzt ein kleines Mädchen. Sie ist ungefähr 10 Jahre alt, vielleicht auch etwas jünger und spindeldürr. Sie trägt rosarote Söckchen und streckt die Beinchen weit von sich weg, wie ein kleiner, trauriger Zirkusclown. Ihre Gesichtsfarbe ist schal und blass, obwohl sie eigentlich olivfarben ist. Das Mademoisellchen kommt aus einem osteuropäischen Land. Welches, kann ich nicht identifizieren. Ihre Augen sind die Augen einer Puppe. Ganz groß und maronibraun mit schwarzen Wimpern. Sie hat ein kleines Spatzenmündchen, so wie es viele Kinder oft haben und das auf uns ältere so oft lieblich und entzückend wirkt. Dieses kleine Mädchen, etwas kränklich aussehend und doch voll von lebhaftem Mut, beginnt in einer slawischen Sprache ein Lied zu trällern. Für ihre Mutter, die mit dem Rücken zu mir, rechts vor mir sitzt. Ich kann das Profil der Mutter nur manchmal erhaschen. Alles an ihr wirkt müde, ruhelos, die Haare schnell hochgesteckt. Die kleine Lady singt nahezu fröhlich vor sich hin. Es klingt zuerst vorsichtig, dann immer ausgelassener. Sie lächelt ihrer Mutter zu und versucht sie zum Lächeln zu bringen. Das ist natürlich schwer, doch ein kleines Funkeln erreicht sie schon. Da bin ich mir sicher. Die kleine Lady lächelt so liebenswürdig. Dieses Kinderlachen. Sie erinnert mich an meine Schwester. Dann grinst sie ganz breit und das ganze Gesicht wird zu einer einzigen Liebenswürdigkeit.
Plötzlich erwachsen geworden packt sie drei 10Euroscheine aus und zählt sie großmännisch und ernst vor ihrer Mutter. "30 Euro", sagt sie, als wollte sie ihrer Mutter Mut zusprechen. "Mama". Sie sagt es so fein, so zart, wie es ihrem kleinen Körper entspricht. Diese Augen, diese Puppenaugen, die in eine Welt gezwungen werden, in der sie verlöschen.
Die nächste Station muss ich aussteigen. Die kleine Madame und ihre Mutter auch. Ich muss in ein Schmuckgeschäft, um dort einen Ring abzuholen. Die Mutter schlägt schon den Weg Richtung Mariahilferstraße ein. Die Kleine bleibt etwas zurück, weil sie die Ketten im Schaufenster bewundert. "Komm her zu mir", sage ich mit unterdrückten Tränen und bestimmter, doch vorsichtiger Stimme. Die Kleine kommt zögerlich etwas näher. Ich gebe ihr 3 Euro in die Hand, alles was ich an Bargeld mithabe. Sie schaut mich groß und verwundert an. Ich gehe weiter, damit ihre Mutter nichts bemerkt. Danach heule ich bis ich zuhause bin still vor mich hin. Ich kann nicht anders. Ich hätte ihr gerne mehr gegeben.

Am unschuldigsten leiden immer die Kinder. Es ist zum Herzausreißen.

Bekleidung an Fremden
Mit den Längsstreifen an ihrer Hüfte könnte sie einen ganzen Kontinent einfangen.

Sommerduft

Meine Kosmetiktasche riecht nach dem Lignanourlaub 1995.

Verhalten
Man darf die Menschen nicht aufgrund ihres Umfeldes sehen.
Das Umfeld ist eine tatsächliche Gegebenheit und keine Fragestellung.
Die Beobachtung sollte sich einzig und allein auf das Verhalten der Person in ihrer gesellschaftlichen und örtlichen Determiniertheit richten. Schwierig, aber viel spannender, finde ich.

Gucken
Alle Straßenbahnen leuchten
Außer eine
Das ist meine.

Lauschen
Ich höre fremden Menschen zu und lausche mit roten Bäckchen wie beim Hörspiel. Ich beobachte ihre kleinen Zusatzgesten und blicke in verschwommene Augen. Ich fühle unermessliche Zärtlichkeit und gestehe mir meine Angst ein...

Zwei Schwestern
Zwei kleine Mädchen stehen in beträchtlicher Kopfhöhendistanz zu ihrem Vater auf dem Gehsteigrand bei der Bushaltestelle. Er zupft an ihren Jacken - es ist ein kalter, windiger Novemberabend - und spricht auf sie ein. Menschengewirr. Der Vater lässt die Mädchen kurz allein um sich durch die Menschen zum Fahrplan zu schlingen. "Wartet hier, ich bin gleich wieder da!" Diese und noch ein paar andere klare Forderungen. Er ist weg. Die kleine Schwester legt sofort den rechten Arm um die etwas erhöhte rechte Schulter der älteren.
Ich staune. Es ist also die jüngere, die in ihrer Geste gleichzeitig Schutz bei der älteren sucht und selbst schützt. Wie eine kleine Heldin steht sie mit dem Rücken zu mir, die ich 1,5 Meter hinter ihr stehend lächle. Die größere steht cool an ihrem Platz. Sie weiß ob des Vertrauens in dem Köpfchen zu ihrer linken bescheid. Sie nimmt es wie selbstverständlich an. Und in dieser ihrer Selbstverständlichkeit bewundere ich sie und staune erneut.

Morgens
Heute Morgen war mein Oberlippenrand nass vom erkalteten Kakao, der mich frösteln ließ.
 

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